• Jugendaustausch mit Israel

Am vergangenen Montag wurde im Husumer Rathaus die Wanderausstellung „Fünf Jahre unabhängige Dokumentation antisemitischer Vorfälle in Schleswig-Holstein“ eröffnet.

Matthias AusstellungseröffnungMatthias Hansen eröffnet die Ausstellung

Der Kreissportverband Nordfriesland (KSV NF) präsentierte die Ausstellung gemeinsam mit der Landesweiten Informations- und Dokumentationsstelle Antisemitismus Schleswig-Holstein (LIDA-SH), deren Arbeit im Dachverband ZEBRA e. V. verankert ist. Die Ausstellung ist eine kostenfreie Leihgabe von LIDA-SH und bis zum 12. Dezember während der regulären Rathausöffnungszeiten zugänglich.

Matthias Hansen, Vorsitzender des KSV NF, begrüßte die zahlreichen Gäste – darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Schulen und Verwaltung. In seinem Grußwort nahm er Bezug auf Ergebnisse der Mitte-Studie, die erschreckend deutlich zeigt, dass demokratische Grundwerte wie Gleichheit und Würde zunehmend unter Druck geraten. Gerade vor diesem Hintergrund, so Hansen, müsse die Zivilgesellschaft Haltung zeigen:

„Wir wollen einen Gegenpol setzen.“

Er unterstrich die Bedeutung der eigenen deutsch-israelischen Jugendbegegnungen, die der KSV NF seit 2010 regelmäßig organisiert. Schwerpunkte seien die gemeinsame Erinnerungsarbeit, das Erleben kultureller Vielfalt und der Sport als verbindende Kraft. Eine wissenschaftliche i-eval-Auswertung bestätige seit Jahren die nachhaltige Wirkung dieser Austausche. Drei Publikationen des KSV – „Begegnung – Mifgash“, das auf deutsch und hebräisch verfügbar ist und gespickt ist mit Anekdoten von Teilnehmenden des Jugendaustausches aus beiden Ländern, „Mentsh – Sport und Antisemitismus“ sowie das aktuelle Werk „Tikvah“ – dokumentieren diesen Prozess. Nach den inhaltlichen Auseinandersetzungen in den ersten beiden Werken ist Tikvah vor allem durch eine lebendige Bildsprache dazu geeignet, einen lebendigen Einblick in die Austausche zu erhalten. Hansen betonte, dass alle Publikationen kostenfrei über die Geschäftsstelle erhältlich sind.

Israel PublikationenDie KSV-Publikationen im Kontext der Jugendaustausche mit Israel

Der Husumer Bürgermeister Martin Kindl hob die Bedeutung des Ausstellungsortes hervor. Es sei selbstverständlich, dass das Rathaus Raum für diese Ausstellung biete. Antisemitismus sei kein Randphänomen, sondern überall dort sichtbar, wo Vorurteile nicht hinterfragt werden. Eine offene Gesellschaft brauche klare Haltung: „Die Ausstellung lädt uns ein, innezuhalten, Empathie zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.“

Eine Vertreterin bzw. ein Vertreter von LIDA-SH stellte die Arbeit der Dokumentationsstelle vor (Aus Sicherheitsgründen können wir die Person an dieser Stelle nicht weiter konkretisieren). Als zivilgesellschaftliches Projekt erfasst LIDA-SH antisemitische Vorfälle in Schleswig-Holstein, unabhängig davon, ob diese strafrechtlich relevant sind. Die Daten machen Ausmaß, Form und Entwicklung antisemitischer Ereignisse sichtbar – von Beschädigungen an Gedenkorten bis hin zu verbalen Angriffen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig bietet LIDA-SH Beratung, Workshops und Sensibilisierungsangebote an. Der Jahresbericht für 2025 erscheint im Mai 2026, sodass ab dann auch Aussagen über aktuelle Entwicklungen und das noch laufende Kalenderjahr getroffen werden können. Die Repräsentantin bzw. der Repräsentant dankte der Stadt Husum und dem KSV NF ausdrücklich für ihre klare Haltung und das starke zivilgesellschaftliche Signal, das von der großen Beteiligung ausgehe. Ebenso wie von Seiten des Bürgermeisters wurde betont, welch starkes Signal von der Teilnahme der rund 40 Gäste ausging. 

Jürgen Jessen-Thiesen, ehemaliger Probst des Kirchenkreises Nordfriesland, verwies abschließend auf ein Seminar der Akademie Sankelmark im Januar 2026 "Seid Menschen!" Zwischen Staatsräson, Israel-Kritik und Solidarität mit Menschen in Israel und Gaza", welche auch hier besprochene Themen und Anlässe aufgreift und vertieft. Es seien noch Plätze verfügbar, Matthias Hansen sei als Privatperson bereits angemeldet, so Jessen-Thiesen. 

Publikum AusstellungseröffnungGespannt lauschen die Gäste der Einordnung von LIDA SH

Hintergrund: Die deutsch-israelische Jugendbegegnung des KSV

Seit 2010 führt der KSV Nordfriesland regelmäßig Jugendbegegnungen mit israelischen Partnerorganisationen durch. Die Gruppen leben in Gastfamilien, lernen einander im Alltag kennen und setzen sich mit Geschichte, Kultur, Religion, Sport und gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander. Die Begegnungen schaffen Räume für persönliche Entwicklung, Dialog und Verantwortung. Sie bilden zugleich das Fundament für die KSV-Publikationen „Begegnung – Mifgash“, „Mentsh“ und „Tikvah“, die die Erfahrungen dokumentieren und ein breites Bildungsangebot ergänzen. Alle drei Werke können kostenfrei über die Geschäftsstelle des KSV NF bezogen werden.

Der KSV Nordfriesland dankt der Stadt Husum, LIDA-SH und ZEBRA e. V. für die Zusammenarbeit und lädt alle Interessierten ein, die Ausstellung im Rathaus Husum ab sofort und bis zum 12. Dezember 2025 im Erdgeschoss des Husumer Rathauses zu besuchen.